Harald A. Summa + Blockchain

Die Blockchain erneuert eines der größten Versprechen des Internets

Der Hype um die Blockchain hat viele Gründe. Die meisten davon halte ich für sehr gut und für nachvollziehbar und offensichtlich. Bei eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. haben wir eine Kompetenzgruppe zum Thema Blockchain. Dort treffen sich die führenden Experten und gestalten gemeinsam die Zukunft dieser aufregenden Technologie und der Branchen, die von ihr geprägt werden.

So verlockend es ist, die Erfolge der Kollegen hier aufzuzählen: Ich lasse es trotzdem. Die dokumentieren ihre Arbeit nämlich selbst hervorragend. Wenn Sie es nicht ohnehin schon tun, sollten Sie sich schnell bei eco informieren und überlegen, ob Sie nicht auch aktiv in der Gruppe mitwirken wollen. Für den Anfang: Hier die aktuellen Infos aus der Kompetenzgruppe Blockchain.

Die Blockchain ist viel mehr als „nur“ eine weitere Schlüsseltechnologie

Aber in diesem Post möchte auf ein anderes Thema hinaus. Neben den offensichtlichen Gründen, sich für die Blockchain zu begeistern, gibt es nämlich noch einen Grund, der vielleicht weniger offensichtlich ist. Aber mindestens so wichtig. Für mich ist die Blockchain nicht „nur“ eine weitere Schlüsseltechnologie. Für mich steht die Blockchain für viel mehr. Die Blockchain erneuert das Versprechen eines Internets, in dem sich alle Menschen sicher und gleichberechtigt austauschen können.

Dieses Versprechen ist nicht neu und ich persönlich hatte auch nie den Glauben daran verloren. Aber ich weiß, dass nicht alle Menschen meinen Optimismus teilen. Ich weiß, dass gerade in den vergangenen Jahren einige ernsthaft Zweifel an diesem großen Versprechen des Internets bekommen haben. Gerade solche, die sich besonders gut auskennen und gerade solche, die zuvor besonders ausgeprägte Hoffnungen hatten.

Dafür gibt es Gründe. Auf zwei möchte ich hier näher eingehen. Weil ich glaube, dass sie die größten Bauchschmerzen machen – und weil die Blockchain das Potenzial hat, sie aus der Welt zu schaffen.

Zwei Gründe für Bauschmerzen: Sicherheit und Plattformen

Der eine Grund ist das Thema Sicherheit. Wir müssen gar nicht drum herumreden, Sicherheit im Internet ist ein Problem und das liegt vor allem daran, dass es im öffentlichen und kommerziell genutzten Internet lange Zeit kein „Security by Default“-Denken gab. Sicherheit im Internet war lange Zeit reaktiv und umständlich. Teilweise ist das noch immer so, denken wir nur an das Thema Verschlüsselung. Daten zu verschlüsseln, ist eine der einfachsten und wirksamsten Methoden, sie vor Verlust und Missbrauch zu schützen. Wäre Verschlüsselung von Anfang an Standard gewesen, hätten wir uns manchen Ärger sparen können. So aber sind wir zum Nachbessern gezwungen.

Der zweite Grund ist das Thema Plattformen – und damit das Thema Gleichwertigkeit. Ein Internet, in dem jeder Mensch ohne Umwege mit jedem anderen kommunizieren und handeln kann, stellen wir uns gerne als Netz von gleichen Maschen vor. In diesem Netz würden Daten ungehindert und direkt zwischen denen strömen, die es etwas angeht. Weil die Daten gleichmäßig verteilt wären, wäre auch die Kontrolle über die Daten besser verteilt und somit rückten Fragen nach Macht und Missbrauch in den Hintergrund.

Das Internet so wie es heute ist, auch da brauche ich nichts zu beschönigen, ist anders strukturiert. Wir haben in den letzten Jahren keine gleichmäßige Verteilung der Daten beobachtet, sondern das Gegenteil. Einige wenige Anbieter stellen die Plattformen bereit, auf die wir die meisten Daten verteilen und diese Anbieter kontrollieren sie auch.

Ich finde das nicht per se kritisch. Ich habe dazu eine etwas differenzierte Meinung, kann jedoch nachvollziehen, dass diese gewaltige Konzentration an Daten manchen Menschen Bauchschmerzen bereitet. Ich kann auch nachvollziehen, dass die Idee von einem Internet, in dem Individuen gleichwertig kommunizieren, von den Plattformen, wie wir sie heute kennen, ausgehebelt zu werden scheint.

Beim Streben nach Perfektion schon sehr weit fortgeschritten

Und jetzt kommt der Grund, warum ich von der Blockchain so begeistert bin. Sie ändert nämlich genau die Regeln, die zu dieser Art Bauchschmerzen geführt haben.

„Security by Default“ ist bei der Blockchain kein Wunschdenken, sondern Wirklichkeit und das auf einem hohen Niveau. Man sollte sich davor hüten, im Zusammenhang mit IT von 100-prozentiger Sicherheit zu sprechen. Aus gutem Grund kalkulieren Anbieter wie Nutzer lieber mit Aussagen wie „Five Nines“, also 99,999 Prozent. Restrisiken wird es geben, solange es Patches gibt.

Aber wenn ich über das System Blockchain spreche, lehne ich mich trotzdem weit aus dem Fenster und sage: Die Kombination aus Verschlüsselung und dezentraler Buchführung sorgt bei der Blockchain für ein Maß an Sicherheit, das beim Streben nach Perfektion schon sehr weit vorangeschritten ist. Damit einher geht ein maximales Maß an Transparenz, das wiederum an ein maximales Maß an Vertraulichkeit gekoppelt ist.

Sicherheit und Transparenz und Vertraulichkeit: Auf dieser Formel basieren praktisch alle der bahnbrechenden Anwendungen, die in Expertenrunden wie unserer Kompetenzgruppe für so viel Begeisterung sorgen. Es fällt mir schwer, für diese Formel einen angemesseneren Ausdruck zu finden als genial.

Keine Utopie: Gleichwertig und ungehindert kommunizieren und handeln

Viele dieser Anwendungen bestechen zudem dadurch, dass sie ohne die Instanzen auskommen, die wir Agenten nennen oder Mittelmänner oder Intermediär. Dass das für ein gerüttelt Maß an Unruhe in vielen Branchen sorgt, kann ich gut verstehen. Dass das zudem dafür sorgt, dass viele, die in diesen Branchen tätig sind, das Thema Blockchain erkannt haben und sich zu eigen machen wollen, freut mich: Der aktive Umgang mit der Blockchain beweist, dass viele der in unserem europäischen Wirtschaftsraum tätigen Unternehmen gelernt haben, in neuen Technologien zunächst den Vorteil zu sehen.

Als Wirtschaftsvertreter kann ich das nur begrüßen. Fast noch mehr freue ich mich, weil Entwicklung und Erfolg der Blockchain beweisen, dass ein Internet, in dem jeder einzelne Teilnehmer mit jedem anderen Teilnehmer gleichwertig und ungehindert kommunizieren und handeln kann, keine Utopie ist. Im Gegenteil. Und darüber freue ich mich als Privatperson und Freund des Internets.

Foto © Zapp2Photo | istockphoto.com

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