Harald A. Summa +Rechenzentrum Infrastruktur

Rechenzentren sind Grundlage für Nachhaltigkeit in der Digitalisierung

Zwei große Ziele verfolgen wir: Wir wollen eine gute digitale Zukunft gestalten – und wir wollen, dass unsere Zukunft nachhaltig ist. Diese beiden Ziele stehen nicht im Widerspruch zueinander. Wie eine aktuelle Studie bescheinigt, kann die Digitalisierung ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen Zukunft sein. Wenn wir die richtigen Voraussetzungen schaffen.

Bei vielen unserer größten Herausforderungen ist Technologie für die Suche nach Lösungen unerlässlich. Von den Technologien, die das Leben im digitalen Ökosystem und das Zusammenleben auf der Erde verbessern, beruhen viele auf Machine Learning, Big Data oder dem Internet der Dinge. Lauter Innovationen, für deren Entwicklung, Funktion und Anwendung eine verlässliche und leistungsfähige digitale Infrastruktur Basis ist.

Diese Infrastruktur befindet sich zu großen Teilen in Rechenzentren, die nicht gleichmäßig über die Erde verteilt sind, sondern von einigen Dutzend Anbietern an Standorten betrieben werden. Dort sind in der Regel viele Anbieter gleichzeitig präsent. In Europa sind große Zentren Frankfurt, Amsterdam und London. 

Bei Bedarf mit dem Rechenzentrum ein neues Umspannwerk bauen 

An diesen Zentren herrscht erhöhter Energiebedarf, weshalb der Bau eines Rechenzentrums immer öfter eine Zusammenarbeit mit ansäßigen Energieversorgern erfordert. Bei Bedarf werden in der Folge auch gerne mal neue, dezidierte Umspannwerke geschaffen, um den hohen Verbrauch durchgängig sicherzustellen. Wie eine von der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland in Auftrag gegebene Studie des Borderstep Instituts, unterstützt vom Vodafone Institut herausfindet, trägt der lokal sehr hohe Energiebedarf unterm Strich betrachtet jedoch einem optimierten Stromverbrauch bei. 

Grund dafür ist das hohe Maß an Effizienz, das in professionell betriebenen Rechenzentren erreicht wird. „Während sich der Bedarf an Rechenleistung durch die anhaltende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren verzehnfacht hat“, so die Studie, „ist der Energiebedarf pro Gigabit in Rechenzentren heute zwölf Mal niedriger als noch im Jahr 2010.“

Auch bei den CO2-Emissionen sieht die Studie die Rechenzentrumsbranche auf einem guten, wenn nicht sogar vorbildlichem Weg. „Bereits seit 2015 sind die CO2-Emissionen durch den Strombedarf von Rechenzentren in Gesamteuropa rückläufig. Bis 2030 werden die Emissionen auch in Westeuropa sinken, so dass für ganz Europa mit einem Rückgang der Treibhausgas-Emissionen um 30 Prozent zu rechnen ist.“

Abschaffung der EEG-Umlage zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

Eine wichtige Stellschraube, um hier weitere Fortschritte zu erzielen, ist die Art der Stromgewinnung. 

In Deutschland gibt bereits knapp ein Drittel der Betreiber an, ausschließlich Strom aus Erneuerbaren Energien für ihre Rechenzentren zu verwenden. Ein früherer Ausstieg aus Braun- und Steinkohle bei der Energieerzeugung könnte dazu beitragen, dass dieser Wert sich schneller verbessert. 

Klaus Landefeld, Stellvertretender eco Vorstandsvorsitzender und Vorstand Infrastruktur und Netze sagt dazu, „Deutschland könne hier noch besser werden, wenn die Bundesregierung die Branche in ein energiewirtschaftliches Gesamtkonzept einbeziehe und energiepolitische Rahmenbedingungen optimiere.“ Dazu gehöre auch die kürzlich von den Energieministern der Bundesländer geforderte Abschaffung der EEG-Umlage.

Wenn sich die Voraussetzungen für Rechenzentren am Standort Deutschland verbessern, kann die Branche auch den vielleicht größten Trumpf beim Kampf für eine gute, digitale Zukunft ausspielen: ihre Innovationskraft. Die digitale Infrastruktur zu optimieren, ist kein Selbstzweck, sondern ermöglicht Fortschritt in allen Zukunftsbranchen, die von der digitalen Welt abhängig sind.

„Eine nachhaltige ökologische Transformation unserer Gesellschaft wird ohne Digitalisierung nicht möglich sein“, sagt Inger Paus, Geschäftsführerin des Vodafone Instituts und Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone Stiftung Deutschland und Béla Waldhauser, Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland, die sich 2017 unter dem Dach des eco e.V. gegründet hat, nennt „aktuell angesichts der Corona-Krise, wo digitale Infrastrukturen als Innovationstreiber beispielsweise in den Bereichen Verkehr und Home-Office Anwendungen wirken“, als Beispiele für eine nachhaltige Digitalisierung in Europa. 

Die vollständige Studie erscheint im Herbst 2020. Mehr zu den ersten Ergebnissen erfahren Sie hier.

Foto © gorodenkoff | istockphoto.com

Harald A. Summa
Erneut Kernmitglied im BMWi-Beirat
2. Juni 2017
Harald A. Summa
Die Zukunft steht nicht geschrieben – wir können sie selbst gestalten
1. März 2016
Harald A. Summa
Digitalisiert Euch – aber richtig!
24. Februar 2017