Harald A. Summa + Digitale Heimat

Digitale Heimat – Verortung und Perspektiven

Heimat ist nichts Statisches. So viel Erkenntnis steckt schon im Titel des neuen Buchs von Wolfgang Brandes (bei dem ich die Ehre und das Vergnügen hatte, mitwirken zu dürfen). Heimat ist im Gegenteil etwas, das sich sehr schnell ändern kann. Das, weil es erst in dem Moment zu existieren beginnt, in dem sich jemand dazu bekennt, auch sehr fragil ist.

Heimat wird erst dadurch zur Heimat, dass es jemanden gibt, der über ein Heimatgefühl verfügt. Gefühle aber, soviel haben wir in den verrückten Zeiten, in denen wir leben, gelernt, sind zwar mächtig, besonders verlässlich sind sie jedoch leider nicht.

Eine digitale Heimat verorten und Perspektiven aufzeigen zu wollen, ist daher keine kleine Aufgabe. Es ist Wolfgang Brandes gewinnender Art und seinem aus Erfahrung gespeistem Optimismus zu verdanken, dass er sieben Köpfe um sich versammeln konnte, die es dennoch wagen und das Thema digitale Heimat aus ihren jeweiligen Fachrichtungen heraus erklären.

  • Lucia Falkenberg, HR-Expertin mit langjähriger Erfahrung in der IT-Welt, beschreibt die neue, digitale Arbeitswelt aus der Sichtweise des HR-Managements des eco – Verbands der Internetwirtschaft und weltgrößten Internetknotens DE-CIX.
  • Gerd Simon, Gründer eines der ersten Colocation-Rechenzentren in Frankfurt und globetrottender Management Consultant, schreibt über Digitale Nomaden: die Verbindung von New Work und Lifestyle.
  • Axel Schack, als Rechtsanwalt Experte für die digitale Arbeitswelt, Autor, Blogger und Mitglied des Münchener Kreis-Arbeitskreises »Arbeiten in der digitalen Welt«, führt zu den Herausforderungen und Kernthesen der Digital Labour Force.
  • Georg Rainer Hofmann, Professor an der Technischen Hochschule Aschaffenburg, untersucht ethisch relevante Phänomene der Digitalen Transformation der Jahre 1995 bis 2020.
  • Norbert Pohlmann, Direktor des Forschungsinstituts für Internet-Sicherheit und Vorstand des eco – Verbands der Internetwirtschaft beschreibt und analysiert digitale Sicherheitsstrategien: Ohne Cybersicherheit keine Digitale Heimat.
  • Staffan Reveman, Energieexperte mit internationaler Erfahrung, beleuchtet die Sicherstellung der notwendigen Energieversorgung und der resultierenden Klimabilanzen.
  • Alexander Gerybadze, Professor für Innovationsmanagement, analysiert die Gravitationszentren der digitalen Wirtschaft weltweit und überprüft Strategien zur Sicherung digitaler Souveränität in Europa.
  • Dazu gibt es von Arthur D. Little eine aktuelle Studie zu Künstlicher Intelligenz, die Potenzial und nachhaltige Veränderung der deutschen Wirtschaft, Auswirkungen auf Branchen und Handlungsbedarfe sowie Maßnahmen aufzeigt. 
  • Und ein Vorwort von mir.

Wer ein Buch über die digitale Welt schreibt, wird automatisch zum Propheten. Das liegt an der enormen Beschleunigung des digitalen Wandels. Was heute richtig ist, kann morgen schon überholt sein. Selbst ein Manuskript, das zum Zeitpunkt der Fertigstellung zu hundert Prozent akkurat und auf der Höhe der Zeit ist, altert auf dem Weg zum fertig gebundenen Buch um etliche Monate. Eine Zeit, in der auch vom Fortschritt sehr überzeugte Autoren wünschen, die Entwicklung würde ausnahmsweise einmal eine Pause machen.

Harald A. Summa + Buch: Digitale Heimat

Manche Autoren versuchen diesem Dilemma zu entgehen, indem sie sich an zeitlose Wahrheiten halten. Andere setzen auf steile Thesen und, für den Fall, dass sie danebenliegen, gnädiges Vergessen. Wieder andere legen die Grenzen ihres Wissens und ihrer prophetischen Kräfte offen und trauen ihren Lesern zu, den Faden selbst aufzunehmen. Die Autoren der Digitalen Heimat gehören laut Deutschlandfunk Kultur zu Letzteren:

Besonders erkenntnisreich wird das Buch, wenn die Expertinnen und Experten offenlegen, was sie trotz aller Prognosen noch nicht wissen, wo also noch weiter geforscht werden muss. „Das Phänomen Arbeit ist nicht ausreichend erfasst“, urteilt etwa Axel Schack mit Blick auf die digitale Plattformökonomie, in der Arbeit zunehmend nur noch auf Abruf verteilt wird.

Was mir an dem Buch von Wolfgang Brandes darüber hinaus besonders gefällt, ist dass es beim Erfassen und Erforschen nicht aufhört. Die digitale Heimat, das wird an vielen Stellen deutlich, ist nicht nur dynamisch und wandelbar. Sie ist auch etwas, das wir selbst gestalten können.

Wie das mit der Arbeitswelt weitergeht? Können wir mitentscheiden. Ob wir in Europa eine ernstzunehmende Infrastruktur schaffen, die den (Cloud)-Schwergewichten aus West und Ost Paroli bietet? Haben wir selbst in der Hand. Ähnlich verhält es sich mit der Frage der – effizienten, bezahlbaren und nachhaltigen – Energieversorgung nicht nur unserer Rechenzentren. Wer Brandes‘ Buch liest, erfährt nicht nur viel darüber, warum unsere digitale Heimat ist wie sie ist, sondern fühlt sich nach der Lektüre vielleicht sogar aufgerufen, sie noch aktiver selbst zu gestalten. 

Brandes und seine Autoren vermitteln Zusammenhänge, sie geben Anknüpfpunkte für konkretes Handeln und sie machen Mut, ja sogar Lust, selbst anzupacken: Mehr können sie nicht erreichen. 

Foto © metamorworks | istockphoto.com

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