Harald A. Summa + Schule

Warum ein Computer mehr ist als ein Spickzettel 4.0

Von den vielen Gründen, warum deutsche Schulen Computer nur zögerlich einsetzen, ärgert mich einer besonders: Wenn Computer in erster Linie als hochgerüstete Taschenrechner wahrgenommen werden oder gar als Spickzettel 4.0. „Was soll nur aus unseren Schülern werden, wenn wir im Unterricht immer mehr auf digitale Medien setzen?“, lautet eine Sorge, die ich oft höre. Ich frage dann gerne zurück: Was soll nur aus ihnen werden, wenn wir das nicht tun?

Ich vermute, die Technikskepsis in den Schulen (damit meine ich übrigens explizit auch die Elternschaft) hängt mit unserem Selbstverständnis als Wissensgesellschaft zusammen. Der Begriff Wissensgesellschaft gefällt mir nämlich auch nicht. In einer Wissensgesellschaft, so klingt das für mich, ist die Eintrittskarte für Partizipation und Erfolg die Ressource „Wissen“.

Befindet sich in Ihrer Nähe eine gut sortierte Bibliothek, dann werfen Sie doch einmal einen Blick in das „Grosse vollständige Universal-Lexicon Aller Wissenschaften und Künste“, von Experten kurz „der Zedler“ genannt: 68 Bände, 33 Wissensbereiche, über 280.000 Einträge. Fertig gestellt wurde das Universallexikon 1754, die Arbeit hatte 20 Jahre gedauert.

Seitdem hat niemand mehr versucht, alles aufzuschreiben, was man wissen kann. Auch nicht die Wikipedia, wo, sehr zum Ärger vieler hoffnungsvoller Neuautoren, die Mehrzahl der neu angelegten Artikel umgehend wieder gelöscht wird, meistens wegen mangelnder Relevanz.

Dennoch könnte ein mit dem Zugriff auf Wikipedia und Google ausgestatteter Laie einem ohne Hilfsmittel antretenden Experten wohl einigermaßen Paroli bieten. Beim Aufsagen von Fakten.

Wobei niemand bei klarem Verstand auf die Idee käme, einen solchen Wettbewerb auszurichten, geschweige denn die Ergebnisse für brauchbar zu halten. Weil wir nämlich alle wissen, dass es nicht der Zugriff auf Wissen allein ist, der den Könner vom Nicht-Könner unterscheidet.

Was den Könner vom Nicht-Könner unterscheidet, ist das, was der mit dem Wissen anfägt. Es ist sein Maß an Kompetenz. Und Kompetenz ist so viel mehr als Wissen.

Von der Wissens- in die Kompetenzgesellschaft

Anstatt uns darum zu sorgen, dass via Computer unkontrolliert Wissen in die Klassenzimmer einzieht, sollten wir uns daher lieber darauf konzentrieren, den Schülern die zukunftsweisenden Kompetenzen zu vermitteln. Damit sie das verfügbare Wissen sinnvoll anwenden können.

Wie kann das gelingen?

Die Nutzung von Computern einfach freizugeben, wäre ein ebenso hilfloser Ansatz wie Verbote und Einschränkungen. Praktikable Lösungen sind rar, Erfahrungswerte sind rarer und wer von mir erwartet, eine schnelle Lösung aufgezeigt zu bekommen, den muss ich leider enttäuschen.

Eine umfassende und kluge Lösung ist mir derzeit nicht bekannt. Wie könnte sie auch, befinden wir uns doch mitten im Umbruch von der, aus meiner Sicht überholten, Wissensgesellschaft in die zukunftsfähige Kompetenzgesellschaft. Wir stecken nicht unbedingt im 18. Jahrhundert fest, aber im 21. Jahrhundert sind wir auch noch nicht richtig angekommen.

Ich habe aber Vorschläge. Einer davon lautet: Wir sollten den nachfolgenden Generationen den Weg in die Kompetenzgesellschaft nicht dadurch erschweren, dass wir an den überholten Vorstellungen einer Wissensgesellschaft festhalten. Der allererste Schritt dazu wäre es, dass wir den freien Zugang zum Wissen dieser Welt für jeden, immer und überall nicht als Problem betrachten. Sondern als Errungenschaft.

Foto © BraunS | istockphoto.com

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