Harald A. Summa + Die digitale Infrastruktur braucht viel Energie – gleichzeitig kann sie sparen helfen

Die digitale Infrastruktur braucht viel Energie – gleichzeitig kann sie sparen helfen

Die digitale Transformation unserer Gesellschaft baut auf immer größer werdenden digitalen Infrastrukturen auf. Ein Umstand, der dabei zurecht in den Fokus rückt, ist der Energiebedarf. Auch wenn der weiter zunehmen wird, könnte die digitale Branche unterm Strich dazu beitragen, den Übergang zu einem nachhaltigeren und ressourcenschonenden Wirtschaften zu beschleunigen.

Die digitale Infrastruktur benötigt viel Strom. An Hotspots wie Frankfurt, Madrid oder Mumbai ist die Versorgung mit ausreichend Energie zu sinnvollen Bedingungen schon heute kompliziert. Wächst die Branche wie erwartet weiter mit überdurchschnittlichen großen Schritten, spitzt sich die Situation weiter zu. Höchste Zeit, nachhaltige Lösungen zu suchen – und dabei auch danach, was die IT-Branche eigentlich für den Rest der Wirtschaft tun kann. Oder vielleicht sogar für den Fortbestand der Menschen auf diesem Planeten?

Energie ist

  • teuer. Die Kilowattstunde Strom kostete für Unternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr 16,94 Cent. Das ist in der EU der Spitzenplatz. Auf der ganzen Welt stiegen im vergangenen Jahr die Energiekosten im Vergleich zu anderen Gütern überdurchschnittlich stark. In den vergangenen Wochen nahm der Anstieg steil zu.
  • schmutzig. Vor allem der CO2-Ausstoß und die damit zusammenhängende Klimakrise sind ein Problem, das ich hier nur aus dem einen Grund nicht weiter ausführe, weil es im Jahr 2022 als bekannt vorausgesetzt werden muss.

Drei Herausforderungen auf einmal: Ist das nicht mindestens eine zu viel?

Um wettbewerbsfähig, zukunftssicher und nachhaltig zu wirtschaften, brauchen wir mehr Energie, müssen die Kosten müssen und dringend die Auswirkungen auf die Umwelt in den Griff bekommen. Das sind drei Herausforderungen auf einmal, von denen jede einzelne für sich genommen schwierig genug ist. Man fühlt sich an das „Magische Dreieck“ im Projektmanagement erinnert („Es soll schnell, billig und gut sein.“ „Wähle zwei.“) und möchte sagen: geht nicht.

Muss aber.

Ausgangs-, Mittel- und Zielpunkt dieser Artikelreihe ist die digitale Infrastruktur. Um es gleich klarzustellen und keine falschen Hoffnungen zu schüren. Die Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur und die digitale Transformation werden keine direkte Lösung für unsere Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Energie bringen. Computer verbrauchen Strom. Daran wird sich bis zur Einführung des Perpetuum Mobiles nichts ändern. Und viele Computer verbrauchen viel Strom. Das macht unsere digitale Infrastruktur im ersten Schritt nicht zum Teil der Lösung, sondern vielmehr zu einem integralen Teil des Problems. 

Begründete Hoffnung habe ich dennoch. Anlass dazu gibt mir der indirekte, der mittelbare Nutzen, den uns digitale Technologien ermöglichen: Wenn er uns dabei hilft, an anderer Stelle Energie mehr Energie zu sparen, als er selbst braucht, wird aus dem stromverbrauchenden Computer ein stromsparendes System.

Der Frage, wie das konkret funktioniert, will ich in den kommenden Monaten in dieser Serie nachgehen.

Bild © Selman Keles | iStockphoto.com

Harald A. Summa
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