Smart World heißt auch: Dafür sorgen, dass alle genug zu essen haben

In der Landwirtschaft können smarte Lösungen für spürbare Verbesserungen unserer Effizienz sorgen. Wenn wir es klug anstellen, profitieren davon auch diejenigen, die bislang nur wenig vom Internet und dem wachsenden Wohlstand haben.

„Und wozu brauchen wir das?“ Wer Neuland betritt kennt die Frage. Wer neue Wege geht wer neue Technologien erforscht oder neue Anwendungen entwickelt, hört die Frage immer wieder und hat sich im Laufe der Zeit wahrscheinlich einige standardisierte Antworten parat gelegt: „Das sehen wir dann später“, ist eine mögliche Antwort. Oder: „Nicht alles, was kein Geld verdient, ist nutzlos.“

Wer die Frage kennt, weiß aber auch, dass sich die gleichen Leute, die das Neue gestern noch sinnlos fanden oder gar schädlich, morgen schon nicht mehr vorstellen können, jemals ohne gelebt zu haben.

Es geht nicht um ein paar Nerds, die zu faul sind, sich selbst Milch zu organisieren

Im Bereich Smart World sind wir mitten im Wandel. Es ist noch nicht lange her, da durfte sich, wer sich für smarte Lösungen begeisterte, immer wieder Witzchen über internetfähige Haushaltsgeräte anhören. Ich will mich gar nicht darüber beschweren. Teilweise sind die ja auch wirklich gut. Schauen Sie sich ruhig mal das Leben einer Familie im Smart Home an, das extra 3 vom NDR geschaffen hat. Ich sage auch nicht, dass wir das Thema, bei dem der Spaß bei extra 3 erst losgeht (gemeint ist der Datenschutz), auf die leichte Schulter nehmen sollten. Im Gegenteil.

Ich glaube aber, dass die smarte Welt, die wir – hoffentlich – bald erleben dürfen, sehr viel mehr für uns bereit hält, als einen Kühlschrank mit IP-Adresse. Die smarte World, die ich mir vorstelle, dreht sich nicht um ein paar Nerds, die zu faul sind, sich selbst Milch zu organisieren. Sondern, unter anderem, darum, dass wir alle genug zu essen bekommen.

Beispiel Landwirtschaft: Die Landwirtschaft hat viel mit Wirtschaft zu tun und in der Wirtschaft zählt Effizienz. In der Landwirtschaft lässt sich gut erkennen, wie effizient wir schon heute sind. Gerade einmal 1,6 Prozent der deutschen Bevölkerung sind heute direkt in der Landwirtschaft beschäftigt. Sie sorgen dafür, dass von uns anderen keiner sein eigenes Feld bestellen muss. Eine erstaunliche Leistung. Aber leider nicht gut genug. Denn unser Planet wächst nicht – die Weltbevölkerung jedoch schon.

Über den Erfolg entscheiden die digitale Kompetenz und die Infrastruktur auf dem Land

Um uns alle zu ernähren, muss die Landwirtschaft also noch effizienter werden und an dieser Stelle kommen smarte Lösungen ins Spiel. Wettervorhersage, Pflanzenschutz und automatisierte Arbeitsprozesse sind dabei die naheliegenden Schlagworte. Sensoren, mit denen sich das Verhalten von Tieren kontrollieren lässt, damit bei Abweichungen schnell reagiert werden kann, beispielsweise indem die Zusammensetzung des Futters automatisch angepasst wird, sind schon etwas fortgeschrittener. Auf die Idee, bei der Mahd Drohnen einzusetzen, die den Mähdrescher begleiten und nach Rehkitzen Ausschau halten, die sich gerne im hohen Gras verstecken, wäre ich persönlich jetzt nicht unbedingt gekommen – sie gefällt mir aber trotzdem.

Wer mehr über die Digitalisierung und smarte Lösungen in der Landwirtschaft wissen will, kann beim Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung nachlesen, wie dort die Risiken und Chancen eingeschätzt werden und wie die sechs neuen Handlungsfelder für die Politik lauten, die das Ministerium definiert.

Für alle anderen gibt es von mir die Management Summary: Wir können die Landwirtschaft noch effizienter betreiben. Der Aufwand lohnt sich. Und über den Erfolg entscheidet die Entwicklung und Förderung der passenden Kompetenzen ebenso wie der Ausbau der digitalen Infrastruktur gerade in ländlichen Gegenden. Und wenn uns das gelingt, spricht auch nichts dagegen, dass Sie auch morgen noch davon ausgehen dürfen, frische Milch im Kühlschrank zu finden – unabhängig davon, wie sie dort hingekommen ist.

Foto © dusanpetkovic | istockphoto.com

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